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15. 6. 2009

Ältestes Adreßbuch von Swinemünde von 1890 online

Die Stadt Swinemünde - die Kreisstadt des Landkreis Usedom-Wollin - war in Pommern die nach Stettin am schnellsten wachsende Stadt. Während es 1856 erst 5446 Einwohner gab, lebten 1939 schon 30,333 Menschen in Swinemünde. Dieses Wachstum verdankt die Stadt, die an der Swine - der mittleren Mündung der Oder in die Ostsee - liegt, zum einen seinem Seehafen und der Schifffahrt sowie zum anderen seiner Funktion als Seebadeort.

Beginnend mit dem ersten Adreßbuch von Swinemünde aus dem Jahr 1890 mit dem Titel "Adreß-Buch für Swinemünde und Westswine für 1890" und den folgenden bis 1938 können wir dieses Wachstum der Einwohnerschaft detailliert nachvollziehen. Im Jahr 1885 hatte Swinemünde noch 8626 Einwohner, die in 2045 Haushaltungen lebten. In der nun online gestellten 1. Auflage des Adreßbuches (1890) sind 2673 Einwohner von Swinemünde und Westswine enthalten, so daß auch weitere Personen als die Haushaltsvorstände enthalten sind.

In jedem Eintrag sind die Nachnamen, teilweise die ausgeschriebenen Vornamen oder Initialen und bei einem Fünftel leider gar keine Vornamen, die Berufe bzw. Stand sowie die Straße und Hausnummer genannt. Die Geburtsnamen sind nur zweimal aufgeführt. Insgesamt sind 401 Personen als Witwe bezeichnet, 82 Frauen waren unverehelicht und 5 geschieden.
Die häufigsten Vornamen sind wieder die ganz klassischen: Carl (272), Wilhelm (200), Friedrich (125), August (116), Johann (87), Hermann (75), Gustav (60), Heinrich (58), Julius (44), Albert (44), Franz (41), Ferdinand (41), Ludwig (38), Otto (35), Paul (31).

Bei den Nachnamen kommen im Buch insgesamt 1457 verschiedene vor, was bei 2673 Einträgen 55 Prozent entspricht. Dies deutet darauf hin, daß viele verschiedene Familien zugezogen sind und es signifikant weniger alteingesessene Familien gab, als in anderen Städten. Die 5 häufigsten Familiennamen waren wieder mal: Müller (39), Schmidt (34), Schultz (32), Krüger (29) und Schröder (27) und dann folgen: Köhler (18), Lange (18), Köhn (13), Knuth (13), Albrecht (11), Dinse (11), Jacoby (11), Klein (11), Neumann (10), Koch (10), Utpatel (10), Küster (9), Böttcher (9), Heinrich (9), Schramm (9), wobei zum Beispiel Utpatel ein sehr typischer Name für diese Gegend ist.

Auch die häufigsten Berufe deuten ähnlich wie bei Stralsund ganz klar auf eine Seestadt hin: Arbeiter (329), Schuhmachermeister (55), Maurer (52), Seefahrer (45), Fischer (44), Seelootse (40), Grenzaufseher (36), Kahnschiffer (34), Schiffskapitän (30), Schneidermeister (30), Zimmermann (28), Revierlootse (27), Kaufmann (27), Schiffszimmermann (25), Bäckermeister (24), Fuhrmann (23), Musiker (20), Maler (20), Lehrer (19), Tischlermeister (19), Bootsfahrer (19), Kohlenmesser (18), Schiffsarbeiter (15) und das Handwerk sicher in die zweite Reihe verdrängen.

Wie bei den früheren Adreßbüchern auch, kann nur ein Mensch die Daten strukturiert in einen Computer übertragen. Bei diesem Adreßbuch hat sich Sabine Pettan die Arbeit gemacht und ich möchte ihr ganz herzlich dafür danken!
Weiterhin gibt es dieses Adreßbuch in Deutschland offenbar in keiner öffentlichen Bibliothek mehr, sondern nur im Landesarchiv Greifswald. Dies bedeutet, daß man bisher Informationen aus dem Buch auch nur vor Ort in Greifswald bekommen konnte. Erst durch die Bereitstellung der Kopien und die freundliche Veröffentlichungserlaubnis seitens des Archives (sowie natürlich die Dateneingabe) sind diese Daten nun weltweit benutzbar. Vielen Dank daher auch an das Landesarchiv Greifswald!

weitere Informationen zum Adreßbuch Swinemünde 1890

Informationen zum Adreßbuch Pommern in der Pommerndatenbank

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